Sie holen drei Angebote ein: eines für 499 €, eines für 2.400 € und eines für 8.900 €. Alle drei versprechen eine „professionelle Website". Was steckt dahinter — und welches passt zu Ihrem Betrieb?
Diese Frage stellen sich viele Handwerksbetriebe und KMU. Und die Verwirrung ist berechtigt: Der Markt für Webdesign ist intransparent, die Preisspannen sind enorm. Dieser Artikel gibt Ihnen einen ehrlichen Überblick — ohne Verkaufsabsicht.
Warum die Preise so weit auseinanderliegen
Website ist nicht gleich Website. Was wie ein einheitliches Produkt wirkt, ist in Wirklichkeit ein breites Spektrum — von der Visitenkarte im Internet bis zur komplexen Webanwendung. Wer nicht weiß, was er braucht, zahlt entweder zu viel oder bekommt zu wenig.
Die wichtigsten Preistreiber sind:
- Individueller Entwurf vs. Template: Eine Website aus einer Vorlage kostet wenig Entwicklungszeit — ein individuelles Design deutlich mehr. Beides kann sinnvoll sein, je nach Anspruch.
- Anzahl der Unterseiten: Eine 3-seitige Visitenkarte ist schnell gebaut. Ein vollständiger Betriebsauftritt mit Leistungsseiten, Galerie, Kontakt und Referenzen braucht deutlich mehr Zeit.
- Technologie im Hintergrund: WordPress-Installationen mit vielen Plugins, Shop-Systeme oder Buchungstools treiben den Aufwand — und die laufenden Kosten.
- Texte und Inhalte: Wer eigene Texte liefert, zahlt weniger. Wer sie erstellen lässt, zahlt mehr — aber oft lohnt es sich, da gute Texte direkt über Google-Rankings entscheiden.
- Laufende Kosten: Hosting, Wartung, Plugin-Lizenzen, Sicherheitsupdates — diese Posten tauchen im Erstangebot oft nicht auf, addieren sich aber über Jahre.
Was kostet was — ein grober Überblick
Unter 800 €: In dieser Preisklasse arbeiten meist Plattformen wie Jimdo, Wix oder Freelancer, die Template-Lösungen schnell aufsetzen. Das Ergebnis ist oft optisch ordentlich — aber technisch austauschbar, schlecht für Google optimiert und langfristig schwer zu pflegen. Für einen ersten Online-Auftritt kann es reichen. Als dauerhaftes Fundament selten.
1.000 € – 3.500 €: Das ist die Preisklasse für einen soliden, individuell gestalteten Betriebsauftritt bei einem Webdesigner oder einer kleinen Agentur. Hier bekommen Sie in der Regel: eigenes Design, saubere Technik, mobile Optimierung, Grundlagen-SEO. Für Handwerksbetriebe, lokale Dienstleister und KMU ist das meist der richtige Rahmen.
Ab 5.000 €: Große Agenturen, komplexe Projekte, Shop-Systeme, mehrsprachige Auftritte, individuelle Webanwendungen. Für die meisten kleinen Betriebe überdimensioniert — und das Budget wäre an anderer Stelle besser investiert.
Was eine Website für Ihren Betrieb leisten muss
Bevor Sie ein Budget festlegen, lohnt sich eine andere Frage: Was soll die Website eigentlich tun? Ein Betrieb, der primär über Empfehlungen läuft, braucht eine andere Website als einer, der aktiv neue Kunden über Google gewinnen will.
Typische Ziele für kleine Betriebe:
- Vertrauen aufbauen — bevor der Interessent anruft
- Bei lokalen Google-Suchen gefunden werden
- Kontaktanfragen generieren (Telefon, Formular, E-Mail)
- Leistungen klar und überzeugend darstellen
- Öffnungszeiten, Adresse und Anfahrt bereitstellen
Für diese Ziele brauchen Sie keine teure Lösung — aber eine sorgfältig gemachte. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Features, sondern dass die Website schnell lädt, auf dem Smartphone gut aussieht, bei Google sichtbar ist und dem Besucher klar sagt, was er als nächstes tun soll.
Was bei den laufenden Kosten oft vergessen wird
Der Einmalpreis ist nicht alles. Rechnen Sie bei der Entscheidung immer auch die laufenden Kosten mit:
- Hosting: 5 – 30 €/Monat je nach Anbieter und Anforderungen
- Domain: ca. 12 – 20 €/Jahr
- Wartung und Updates: Bei WordPress-Websites ein realer Aufwand — entweder Ihre Zeit oder Fremdkosten
- Plugin-Lizenzen: Premium-Plugins kosten oft 50 – 200 €/Jahr pro Plugin
- SSL-Zertifikat: Bei guten Hostern inklusive, andernfalls 50 – 100 €/Jahr
Eine Website, die im Aufbau günstig wirkt, kann über fünf Jahre deutlich teurer werden als eine hochwertigere Erstinvestition — die dann einfach läuft, ohne ständigen Aufwand.
Die ehrliche Einschätzung
Eine solide Website für einen kleinen Betrieb kostet heute zwischen 1.200 und 2.800 € — einmalig. Dazu kommen überschaubare laufende Kosten für Hosting und Domain. Wer weniger zahlt, kauft oft Zeit auf Kredit: Die Probleme kommen später, wenn die billige Lösung nicht mehr mithalten kann.
Wer deutlich mehr zahlt, ohne komplexe technische Anforderungen zu haben, finanziert meist die Agenturstruktur im Hintergrund — nicht die bessere Website.
Das Beste, was Sie tun können: Vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern die Leistung dahinter. Was ist im Preis enthalten? Was nicht? Wer pflegt die Website danach? Wer ist erreichbar, wenn etwas nicht stimmt?
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